Krempelwolf und Kastenspeiser

Stampfende Maschinen, technische Geniestreiche, produktive Revolutionen: Im Tuchwerk erlebt man sehr sinnlich, wie die Textilindustrie Aachen geprägt hat.

Im Jahr 1911 waren in Aachen 103 Tuchfabriken aktiv: Die Stadt war ein Industriestandort ersten Ranges, wobei die Textilproduktion unzählige Innovationen im Maschinenbau sowie der Chemie- und der Farbenherstellung anstieß. Um dieses Erbe zu bewahren, baut der Tuchwerk Aachen e.V. im Industriedenkmal Stockheider Mühle eine großartige Sammlung auf, die die Besucher direkt in den Fabrikalltag vergangener Jahrzehnte mitnimmt.

Stoff vom Feinsten
“In unserem Depot erläutern wir an den zentralen Maschinen des Produktionsprozesses, wie in vielen Schritten aus Wolle ein modisches Qualitätstuch entsteht”, fasst Andreas Lorenz zusammen. “Inzwischen ist es unseren Experten gelungen, immer mehr Maschinen zu aktivieren, so dass diese bei Führungen in Bewegung gesetzt werden können. Man erlebt direkt und beispielhaft, wie die Arbeitsplätze beschaffen waren.” Der pensionierte Geschichtslehrer, aktiv im Vorstand des Tuchwerk e.V., erklärt den Besuchern höchst anschaulich und detailreich, wie “Krempel”, “Wolferei” und “Quertäfler” funktionierten – Musterexemplare der ehemaligen textilen Begriffswelt.

Deutlich wird in der Ausstellung auch: Aachens Textiltradition ist keineswegs erledigt. Verschiedene Unternehmen und Forschungsinstitute, etwa das RWTH-Institut für Textiltechnik (ITA), das Leibnitz Institut für interaktive Materialien (DWI) und TFI – Deutsches Forschungsinstitut für Bodensysteme e.V. sind in der Branche auch aktuell als Innovationstreiber ganz vorne mit dabei.

Tuchwerk Soers
Strüverweg 116
52070 Aachen
Tel.: +49 241 45090017
info@tuchwerk-aachen.de
www.tuchwerk-aachen.de

(Führungen können telefonisch oder per Mail vereinbart werden.)

 

 

Serie: Den Maschinenbauern auf der Spur

Jeder kennt die Witze über Aachen und seine Maschinenbauer. Aber ist es denn ein Wunder, dass es hier so viele Maschinenbauer gibt? Nein. 

Mechanische Premieren in Aachen und Umgebung: automatische Wollkratzmaschine 1802, hydraulische Presse 1810, Dampfmaschine 1816, halbautomatische Spinning Mule 1818, Schermaschine 1818, Raumaschine 1826, Zylinderwalke 1840…

Die Aachen-Lütticher Region gilt als die Wiege der industriellen Textiltechnik auf dem europäischen Festland. Und diese leistungsfähige Textilindustrie, aber auch der Metall- und Steinkohlenbergbau sowie die Metallverhüttung und –verarbeitung hatten einen großen Bedarf an guten Fachkräften und Ingenieuren. Dampfmaschinen entwickeln sich schließlich nicht von selbst weiter. Et voilà! Das Aachener Polytechnikum ging 1870 in den Lehrbetrieb. Und bildete seither (später als RWTH) Generationen von erstklassigen Maschinenbauern aus – bis heute.

Fabriken, Fördertürme, Schornsteine – nur wenige Monumente, die einst das Stadtbild und die Landschaft prägten, erinnern heute noch an die Hochzeit der frühen Industrialisierung der Region. Das Future Mag geht auf Spurensuche und stellt in loser Folge sehenswerte Orte vor.